Was ist Blockchain? Einfach erklärt …

Es gibt zahlreiche Versuche, den Begriff Blockchain zu erklären. Meist mit mäßigem Erfolg und häufig mit dem Ergebnis, dass hinterher vieles noch unklarer ist als zuvor. Kein Wunder, wenn versucht wird, ein Fremdwort mit vielen anderen Fremdwörtern zu erklären. Viele Beschreibungen klingen eher, als ob sie aus einem Science-Fiktion-Roman kopiert wurden. Lesen? Verstehen? No way! Dabei ist die Funktionsweise gar nicht so schwer zu verstehen. Man muss sich allerdings im „Weglassen“ üben. Also lassen wir nicht nur die Fremdwörter, wir lassen auch ein paar unbedeutende Kleinigkeiten weg um dir alle Infos zu geben, auf die es für dich ankommt. Wir versuchen also, etwas Unerklärliches erklärbar zu machen.

 

Zuvor ein kleines Erklärvideo:

 

Blockchain: Mehr als eine dezentrale Datenbank

Um es vorwegzunehmen: Blockchain ist weit mehr als eine dezentrale Datenbank. So simpel ist es nicht. Um den Begriff Blockchain zu erklären, braucht es natürlich eine allgemein verständliche Definition dazu. Und die ist, leider, erst einmal nichtssagend. Hier heißt es:

Bei einer Blockchain handelt es sich um ein dezentrales Protokoll, das Transaktionen zwischen Parteien erfasst und für alle zugänglich und einsehbar speichert.

Doch was genau ist so ein dezentrales Protokoll? Was wird unter einer Transaktion verstanden und wer erfasst diese und macht sie zugänglich?

Ein kleines Beispiel: Ein Webserver hat eine Datenbank. Diese liegt zentral. Sprich, alle Daten befinden sich auf diesem einen Webserver. Auch bei der Blockchain handelt es sich dem Grunde nach um eine Datenbank. Nur liegt die Blockchain aber nicht bei einem Unternehmen oder auf einem Server. Sondern sie ist auf viele verschiedene Computer (Nodes) verteilt. Damit einher geht auch, dass die Blockchain niemandem gehört. Kein Unternehmen, keine Behörde oder Person hat also die Macht darüber. Zugriff erlangt jeder Teilnehmer.

Die Blockchain ist mehr als ein neutrales System zur Informationsverarbeitung. Sie kann weder gehackt noch manipuliert werden. Eine Manipulation wäre nur dann möglich, wenn einer Partei mehr als 50 % gehören würden. Und das wird natürlich verhindert.

Dank der Verteilung auf unterschiedliche Computer (Nodes) gibt es auch niemanden mehr, der aussortiert und Inhalte nach richtig oder falsch ordnet. Darüber entscheidet bei einer Blockchain die Mehrheit.

Welche Informationen befinden sich auf einer Blockchain?

Die Blockchain dient dazu, Informationen zu speichern und Transaktionen zu ermöglichen. Auch wenn eine Blockchain eher dafür bekannt ist, finanzielle Transaktionen zu ermöglichen, ist sie nicht darauf beschränkt. Es kann sich jeder daran beteiligen, der die jeweiligen Regeln der Blockchain akzeptiert und ihnen folgt. Jeder Teilnehmer kann mit jedem anderen Teilnehmer in Kontakt treten. Ohne dass eine dritte Instanz hinzugezogen werden muss. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa der Grundstücksverkauf. Dieser ist nur möglich, indem ein Notar eingeschaltet wird, um den Verkauf zu dokumentieren und den Beteiligten alle Rechte und Pflichten zu erklären. Bei der Nutzung einer Blockchain wäre dieser Schritt nicht mehr nötig. Natürlich ist das Ganze, jedenfalls nach heutigem rechtlichen Stand, nicht möglich. Denkbar für die Zukunft wäre dies aber in jedem Fall. Dann könnte man auch auf Grundbücher verzichten, das jeweilige Verzeichnis samt Eintrag in die Blockchain hochladen und so sicher dokumentieren, wann ein Grundstück an wen verkauf wurde.

Jeder Teilnehmer hat Zugriff.

Die Blockchain ist transparent. Jeder hat auf die Informationen Zugriff. Es gibt allerdings auch eine Art Buchhalter für die Blockchain. Diese werden Miner genannt und sind verifiziert. Die Miner sind auch dafür verantwortlich, die Informationen im Netzwerk zu teilen.

Die Funktionsweise

Der Begriff Blockchain entstand, weil Informationen tatsächlich in Blöcken abgelegt werden. Welche Art an Informationen es sind, spielt keine Rolle. Vorstellbar ist viel. Kryptowährungen, das Testament, Grundbucheinträge, Verträge oder jede andere Information. Jede Transaktion wird im Block dokumentiert.

Die Blöcke sind außerdem miteinander verbunden. Dabei sind sie jedoch nicht wild vernetzt. Sondern jeder neue Block wird an den vorherigen angeschlossen und enthält auch dessen Historie in Form einer Prüfsumme. Außerdem enthält jeder Block auch die Prüfsumme der ganzen Kette.

Die Blockchain wird verifiziert und versiegelt.

Jeder neue Block muss verifiziert werden. Anschließend ist das Mining dafür zuständig, die Informationen zu versiegeln und so für alle Ewigkeit zu speichern. Dieses Verfahren hat viele Vorteile. So ist jede Info im Original verfügbar und damit werden Manipulationen und Korruptionen sicher verhindert.

Sicher verschlossen

Deine Information in einem Block wird durch zwei Schlüssel gesichert. Eine spezielle Zugangssoftware (Wallet) ist die Tür und diese wird durch einen allgemeinen sowie einen persönlichen virtuellen Schlüssel zugewiesen + gesichert. Der private Schlüssel dient als Signierung. Jede neue Information wird ohne eine Signatur ungültig.

Ein Beispiel: Du verkaufst dein Auto an deinen Kumpel Dan. Der allgemeine öffentliche Schlüssel ist mit dem Fahrzeugbrief fest verbunden. Den Verkauf des Autos an Dan kannst aber nur du mit deinem privaten Schlüssel autorisieren. Einen Nachteil gibt es derzeit allerdings. Verlierst du deinen virtuellen Schlüssel, gibt es keine Möglichkeit, den Fahrzeugbrief an jemand anderen zu übertragen. Du könntest das Auto also nicht verkaufen.

Die unteschiedlichen Blockchains können schon heute vielfältig verwendet werden

Du kannst deine Blockchain schon heute für weit mehr verwenden als nur für das Sichern und Übertragen von Währungen. Nutze die Blockchain um deine Verträge zu sichern. Bewahre darin etwa den Fahrzeugbrief deines Autos auf.

Vor allem die Finanzbranche könnte von dem System profitieren. Noch nie waren Transaktionen über Kontinente so einfach. Kein Wunder, dass sich die Finanzbranche des Themas angenommen hat und selbst eine Verwendung prüft. Es gibt Gerüchte, nach denen etwa die CITI-Bank an über vierzig Projekten arbeitet und sich darin mit dem System beschäftigt. Auch der Aktienhandel könnte zukünftig über die Blockchain laufen. Hierbei ließen sich beim Aktienhandel Milliarden Euro einsparen.

Sicher würden auch Entwicklungsländer von dem System profitieren. Formelle Aufnahmekriterien würde es nicht geben und Kryptowährungen könnten die Finanzbasis bilden.

Wenn–dann–Mechanismus (Smart-Contracts)

Um bei dem oben genannten Beispiel eines Autokaufs zu bleiben: Mit einer Blockchain könnte man ganz einfach Wenn-dann-Mechanismen abbilden. Etwa könnte man den Schlüssel zum Auto (oder den Fahrzeugbrief) zu 100 % automatisch ausliefern lassen, wenn etwa der Kaufpreis gezahlt wurde oder eine andere Bedingung erfüllt wird. Wenn wir von einer smarten Zukunft sprechen, dann gehört dazu sicher nicht nur ein aus der Ferne steuerbares Hausinventar. Smart bedeutet hier sicher auch Automatismen einzuführen, die eine Vertragsabwicklung wirklich einfach machen würden. Übrigens könnten so auch Versicherungen funktionieren. Wenn sich beide Parteien (Versicherer und Versicherter) auf ein Regelwerk einigen, wird dieses für alle sichtbar und unveränderbar gesichert. Dein Fahrverhalten könnte ebenfalls über die Blockchain analysiert werden. Fährst du vorsichtig, sinken deine Beiträge, magst du es lieber ein wenig spannender, wirkt sich das halt auch auf die Beiträge aus. Da die Bewertung nicht von einem Menschen, sondern von einer Maschine erfolgt, gibt es auch keine unbewusste Bewertung anderer Faktoren. So spielen Herkunft, Einkommen oder Status keine Rolle mehr.

Die Blockchain könnte Bankenstrukturen revolutionieren.

Die Struktur einer Bank hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. Vieles dauert immer noch Tage. Eine Überweisung innerhalb Deutschlands dauert mindestens einen Tag, ins Ausland noch deutlich länger. Warum? Weil unterschiedliche Systeme verwendet werden. Schließen sich alle der Blockchain an, könnte eine Transaktion zukünftig in wenigen Sekunden erfolgen.

Musiker könnten sich frei machen.

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit ist in der Musikbranche. Im Moment braucht ein Musiker eine Plattenfirma, um seine Musik auf den Markt zu bringen und damit einer großen Fangemeinde zu präsentieren. Die Plattenfirma verwaltet auch die Rechte an der Musik. Sie legt auch die Bedingungen fest. Damit machen sich die meisten Musiker abhängig. Wird die Musik in Zukunft über eine Blockchain abgebildet, behält der Musiker alle Rechte und bestimmt selbst, was wann und wie produziert und veröffentlicht wird. Unterstützt wird er dabei von seinen Fans. Diese sind an dem Erfolg beteiligt. So könnte eine neue, einzigartige Fankultur über alle Kontinente entstehen.

Die Blockchain ist die sicherste Aufbewahrungsmethode, die es gibt.

Wer seine Daten und Währungen über eine Blockchain abbildet, der nutzt eine der sichersten Methoden dafür. Damit werden Informationen zum Allgemeingut und für jeden zugänglich. Selbst eine Wahl könnte man über die Blockchain laufen lassen. Damit eliminiert man sicher Manipulationen. Und auch das Auszählungsergebnis wird nicht durch menschliches Versagen verzerrt. Mal ganz davon abgesehen, dass das Ergebnis schon wenige Sekunden nach dem Abstimmungsende vorliegen würde und sich keiner mehr Sonntage um die Ohren schlagen müsste, um im Wahlbüro Zettel zu verteilen.

Die Blockchain hat schon heute das Potenzial, die nächste Revolution zu werden. Sie kann zur technischen Grundlage für viele Anwendungen außerhalb der Bitcoin sein. Wer an die Anfänge des Internets denkt, als es für TCP/IP-Protokolle nur Internetseiten und E-Mail als Anwendungsmöglichkeiten gab, kann abschätzen, wie groß dieses Thema in den kommenden Jahren werden kann.