Was ist Ethereum?

Ethereum und Kryptowährungen haben sich ihres nerdigen Rufs längst entledigt. Wer heute in Ethereum oder Bitcoins investiert, ist in guter Gesellschaft und hat das Potenzial, den amerikanischen Traum zu leben: vom Tellerwäscher zu Millionär.

Bitcoins sind auch dank der Mythen rund um die Entstehung – du kennst die Geschichte rund um Satoshi Nakamoto sicher – inzwischen in aller Munde. Selbst die eher düster angehauchten Geschichten über das Zahlungsmittel im Darknet konnten dem Hype keinen Abbruch verschaffen. Doch wie sieht es eigentlich mit Ethereum aus? Kann es den Kampf mit Bitcoin aufnehmen und wo liegt eigentlich der Unterschied? Hier erfährst du es.

 

Zuvor ein kleines Erklärvideo:

 

Ethereum – ein schneller Siegeszug

Ethereum ist eine noch sehr junge Währung und hat schon den Kampf um die beliebteste Kryptowährung aufgenommen. Ja, man kann sagen, es läuft den Bitcoins gerade den Rang ab. Zumindest versucht es das. Vielerorts sagt man schon, die Zukunft des Geldes gefunden zu haben. Schon der Gedanke an eine von Staaten und Banken unabhängige Währung ist eine echte Revolution. Doch so richtig lassen sich Begriffe wie DApps, Gas, PoW und PoS nicht erklären. Gemunkelt wird viel, und schon so manche After-Work-Party oder so mancher WG-Abend endeten in wilden Diskussionen darüber, was das alles denn nun wirklich bedeutet. Damit du demnächst wirklich mitreden kannst, starten wir hier mit der ersten Frage.

Was genau ist das eigentlich, dieses Ethereum?

Ethereum wird oft auch als „Welt-Computer“ bezeichnet. Klingt doch schon mal nicht schlecht. Wobei, erklären kann man es damit sicher nicht. Auch wer glaubt, Ethereum sei eine einfache Währung, wie etwa der Euro oder der Dollar, der täuscht sich gewaltig. Nichts könnte dem ferner liegen. Es ist sehr viel mehr. Es ist die Automatisierung wirtschaftlicher Produktion. Es ist eine dezentrale Anwendung, die über sogenannte Smart Contracts läuft. Diese DApps (decentralized applications) erstellen und überprüfen laufend die Bedingungen von Verträgen. Ein kleines Beispiel: Du verleihst dein Auto gegen eine Gebühr. Das machst du regelmäßig, um dir das Geld für deinen nächsten Trip zusammenzusparen und weil du findest, dass dein Auto eh viel zu selten von dir selbst genutzt wird. Die Vermietung könntest du über Ethereum laufen lassen. Die Bedingungen könnten sein, dass das Auto (dessen Öffnungs- und Startmechanismus auch mit Ethereum verbunden sein müsste) nur freigegeben wird, wenn der Mietbetrag gezahlt wurde. Ab sofort musst du dich also nicht mehr darum kümmern, ob du deine Kohle bekommen hast, sondern kannst dich ganz auf deine Reiseplanung konzentrieren.

Der größte Unterschied und ein paar Gemeinsamkeiten zwischen Ethereum und Bitcoins

Das System von Ethereum kommt dir bekannt vor? Stimmt. Auch das Bitcoin-System verfährt danach. Bitcoin arbeitet auch mit Smart Contracts. Doch anders als bei Bitcoins hat Ethereum die Aufgabe von Anfang an in das System-Design integriert und deshalb ist die Umsetzung deutlich einfacher.

Gemeinsam haben die Systeme, dass alle Aktionen auf einer sogenannten Blockchain stattfinden. Du kannst dir eine Blockchain wie ein riesiges Kassenbuch vorstellen. Dieses Kassenbuch ist zudem öffentlich zugänglich und auf viele tausend Computer auf der ganzen Welt verteilt. Die Blockchain des Ethereums ist außerdem „turing-vollständig“. Sie kommt also auch mit höchst komplizierten Rechenfunktionen bestens klar.

Auch hier haben wir ein kleines Beispiel für dich. Deine kleine Schwester ist für ein Austauschjahr in den USA. Deine Eltern wollen ihr nun, weil sie auf den Abschlussball will, Geld für ein Kleid überweisen. Normalerweise kann man das auch über eine normale Bank abwickeln. Es würde aber Tage, vielleicht Wochen dauern und der Ball wäre vielleicht schon vorbei, ehe das Geld angekommen ist. Von den Kosten, die die Überweisung verursacht, mal ganz abgesehen.

Mit der Ethereum-Blockchain ist die Überweisung binnen Minuten da. Den Vertrag, also die Überweisung, müsste man zunächst registrieren. Das Ethereum-Netzwerk würde die Überweisung dann vollautomatisch ausführen. Im besten Fall akzeptiert der Abendball-Ausstatter dann noch die Kryptowährung in seinem Laden. Dann könnte deine kleine Schwester direkt damit zahlen und deine Eltern könnten auch noch eine Bedingung an den Kauf knüpfen. Also etwa, dass das Kleid auf keinen Fall weiß sein dürfe oder nicht zu eng oder was auch immer.

Ethereum kannst du anonym nutzen.

Der größte Vorteil von Ethereum kann zugleich auch sein größter Nachteil sein. Denn alle Transaktionen sind für jeden zu jedem Zeitpunkt einsehbar. Hm, willst du das? Vor allem große Firmen, für die die Ethereum-Blockchain viele neue Möglichkeiten und Vorteile bringt, wollen doch nicht, dass bekannt wird, was sie wann an wen verkauft haben. Das will doch keiner. Deshalb kannst du deine Transaktionen auch absolut anonym gestalten. Dokumentiert wird dann nur, dass eine Transaktion durchgeführt wurde. Nicht aber, wer tatsächlich dahinter steckt. Andere Personen sehen dann nur, dass eine Transaktion zwischen zwei Krypto-Adressen zu einem bestimmten Zeitpunkt getätigt wurde. Mehr nicht. Dennoch solltest du an dieser Stelle wissen, dass deine Anonymität nicht vollständig garantiert werden kann.

 

Wer hat’s erfunden? Nicht die Schweizer!

Anders als bei Bitcoin hat sich der Erfinder von Ethereum dazu bekannt. Vitalik Buterin, ein kanadischer Programmierer mit – der Name lässt es schon vermuten – russischen Wurzeln, legte den Grundstein. Mit gerade einmal 19 Jahren veröffentlichte er ein White Paper und stieß damit das gesamte Ethereum-Netzwerk an. Über eine Crowdsale-Kampagne sammelte er über 18 Millionen US-Dollar und finanzierte 2014 so den Start von Ethereum. Ende Juli 2015 erstellte man den ersten Datenblock in der Blockchain. Das Ethereum-Netzwerk wurde geboren.

Buterin, sein Entwicklerteam und eine agile Ethereum-Community arbeiten am Netzwerk.

Ethereum hat heute (2017) noch nicht einmal das Kindergartenalter erreicht. Entsprechend muss es noch durch seinen Entwickler gesteuert werden. Doch der Programmierer hat sich inzwischen Hilfe ins Boot geholt und neben seinem hervorragenden Entwicklerteam scharrt er auch eine tatendurstige Ethereum-Community um sich. Der Programmierer, der als Wunderkind gilt, hat bereits angekündigt, das Kind so langsam flügge werden zu lassen und sich selbst aus dem Projekt herauszuziehen.

Ethereum kann viel mehr als Bitcoin.

Der größte Unterschied liegt wohl darin, dass Ethereum viel mehr kann als die Konkurrenz. Es wurde aber auch mit einer ganz anderen Zielsetzung erschaffen. Sollten die Bitcoins eigentlich dazu dienen, eine dezentrale Währung zu schaffen, ist das Ethereum-Netzwerk ein großer globaler Computer. Ethereum hat ebenso eine Währung. Den Ether. Es soll natürlich ebenfalls eine Alternative zu Papiergeld sein. Es steht, ebenso wie Bitcoin, für eine Dezentralisierung von Geld und soll das zentrale Finanzsystem ablösen. Mit Ether kannst du allerdings auch jedes erdenkliche Computer-Programm unterstützen. In der Ethereum-Community werden aktuell etwa Apps oder digitale Werbung entwickelt. Ebenso wird die Ethereum-Blockchain als Marktplatz für ungenutzte Rechenleistung genutzt. Wie du siehst, sind den Möglichkeiten, die dir Ethereum bietet, kaum Grenzen gesetzt.

Ethereum ist noch dezentraler als Bitcoin.

Ethereum ist auch deshalb angetreten, um noch dezentraler zu sein als die Konkurrenz. Um zu begreifen, wie das gemeint sein kann, muss man sich die Entstehung von Bitcoins ansehen. Bitcoins entstehen, indem immer wieder neue Datenblocks erzeugt werden. Dabei stehen die Erzeuger aber immer in einem Wettbewerb zueinander. Alle Miner (Teilnehmer) wollen die komplexe Aufgabe lösen – aber nur dem Ersten steht die Belohnung in Form von Bitcoins zu. Deshalb nennt man das Mining auch Proof-of-Work-System. Dank der steigenden Konkurrenz werden für das Bitcoin-Mining immer größere (mächtigere) Computer-Chips notwendig. Die Kosten dafür sind enorm, sodass es sich für Privatpersonen längst nicht mehr rentiert, in den Markt einzusteigen. Die meisten Bitcoins bekommen heute daher die Teilnehmer, die die größten Bitcoin-Minen haben.

Auch Ethereum basiert auf einem Proof-of-Work-System. Doch das Mining ist nach wie vor auf privaten Computern mit vergleichsweise günstigen Grafikkarten möglich. Des Weiteren soll Ethereum zu einem „Proof-of-Shake“-System wechseln. Das bedeutet, dass dann nicht mehr die Rechenarbeit nachgewiesen werden muss. Stattdessen wählt ein Algorithmus aus, wer die nächste Blockchain bauen darf. Relevant wird hier sein, wie viel Ether bereits im Besitz ist. Je mehr du bereits hast, desto wahrscheinlicher wird es, dass du den nächsten Block erstellen darfst. Das System hat einen entscheidenden Vorteil: Es spart wertvolle Ressourcen ein. Im Moment verbraucht das Minen eines Bitcoins etwa 94 kWh. In etwa so viel Energie verbrauchen neun Haushalte am Tag. Das PoS-Modell ist damit die nachhaltigere und umweltfreundlichere Alternative.

Ether – die Währung von Ethereum

Innerhalb des Ethereum-Netzwerks wird mit Ether gezahlt. Willst du also in eine App investieren, sendest du den Entwicklern Ether. Erzeugt wird Ether wie bei Bitcoin über das Mining. Der Wert eines Ethers wird dabei darüber definiert, zu welchem Preis es gekauft oder verkauft werden kann.

Etwa 90 Millionen Ether sind aktuell im Umlauf. Jährlich werden höchstens 18 Millionen in Umlauf gebracht. Anders als bei Bitcoin gibt es aktuell keine Höchstgrenze dazu, wie viel Ether sich zeitgleich in Umlauf befinden darf. Um eine Inflation zu vermeiden, ist aber eine Umstellung des Mining-Systems zu erwarten, damit die Anzahl neuer Ether-Einheiten begrenzt werden kann. Zu den Zahlen gibt es aktuell allerdings keine verlässlichen Aussagen.

Das Ethereum-Netzwerk wird mit Gas betrieben.

Wer sich mit der Thematik Ethereum beschäftigt, stolpert über den Begriff „Gas“. Doch bei dem Begriff handelt es sich nicht um den Treibstoff, mit dem du zu Hause deine Bude heizt. Es ist vielmehr ein Wert, der die Kosten für eine Aktion im Netzwerk kennzeichnet. Es sagt also etwas darüber aus, wie viel Rechenleistung die DApps sowie die Smart Contracts benötigen. Gas stellt also sicher, dass der Code effizient bleibt und niemand umsonst arbeiten muss.

Da der Preis für Ether Marktschwankungen unterliegt, wurde das Gas geschaffen, um das zu umgehen. Die Höhe des Gas-Wertes liegt minimal unter dem von Ether (ETH). Durch die Verwendung unterschiedlicher Währungen wird sichergestellt, dass ein besonders guter ETH-Kurs nicht dazu führt, dass das Minen unrentabel wird. Er bildet immer die tatsächlichen Kosten für Rechenleistung ab.

So kannst du Ether kaufen und verwalten.

Wie auch bei Bitcoins, benötigst du, um Ether verkaufen oder verwalten zu können, ein sogenanntes Wallet. In dem digitalen Geldbeutel warst du jedoch nicht tatsächlich deine Kryptowährung auf, sondern du sammelst darin die Adressen, um deine Transaktionen in der Blockchain zu registrieren und nachzuweisen.

Ein Ethereum-Wallet ist vielmehr ein kryptografisches Schlüsselpaar. Es besteht aus einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel. Die Wallet-Adresse stellt den öffentlichen Schlüssel dar. An diese Adresse kann man dein Ether senden. Den privaten Schlüssel besitzt nur du. Damit kannst du deinen Ether innerhalb der Blockchain verschieben. Inzwischen haben sich zahlreiche Anbieter etabliert, die dir ein Ether-Wallet anbieten. Wenn du dir so ein Wallet zulegst, solltest du zwei Dinge wissen. Deine privaten Schlüssel solltest du so gut aufbewahren, dass kein Hacker darauf Zugriff erlangen kann. Die zweite wichtige Regel ist: Verlierst du deinen privaten Schlüssel, ist deine Kryptowährung für immer weg.

Ether kannst du entweder durch das Minen selbst erzeugen oder aber kaufen. In sogenannten Exchanges, einer Art Wechselstube.

Warum sind dezentrale Apps (DApps) besser?

DApps sind besser, weil sie autonom funktionieren. Es gibt also niemanden, der das Sagen hat. Keinen Vorstand, keine Geschäftsführer oder leitende Angestellte. Niemand leitet oder kontrolliert. Ein zentrales System ist etwa Facebook. Fallen die Server von Facebook aus, ist die gesamte Seite weg. Das kann beim Ethereum-Netzwerk nicht passieren. Denn alle Daten sind auf sogenannte Knotenpunkte verteilt. Um das Netzwerk abzuschalten, müssten mehr als 30.000 Knoten gleichzeitig ausfallen. Du merkst selbst, dass dies doch recht unwahrscheinlich ist.

Ein weiterer Pluspunkt der DApps ist die Möglichkeit, eine gemeinschaftliche Verwaltung oder kollektiven Besitz einfach umzusetzen. Dafür muss man nur während eines Initial Coin Offerings (ICO) sogenannte Tokens an interessierte Investoren verkaufen. That’s it. Die ICO’s lassen sich mit dem Börsengang eines Unternehmens verkaufen. Sie sind also quasi Aktien. Allerdings besitzt man mit Tokens nicht auch gleich Firmenanteile. Hier liegt ein entscheidender Unterschied zu den meisten Aktien auf dem Markt. Mit Tokens kauft man aber spezifische Rechte am Unternehmen. Mit Tokens könnte man etwa Stimmrechte oder garantierte Gewinne des Unternehmens erwerben.

Ethereum und Ethereum-Classic

Vielleicht ist dir aufgefallen, dass es Ethereum in zwei Varianten gibt. Neben dem „normalen“ Ethereum gibt es noch Ethereum-Classic auf dem Markt. Dabei handelt es sich um eine Spaltung des Ethereum. Denn vor einigen Monaten gelang es einem Ethereum-Risikokapitalfond, 150 Millionen US-Dollar zu sammeln. Einem Hacker gelang es jedoch, sich 53 Millionen US-Dollar unter den Nagel zu reißen und damit zu verschwinden. Die Sicherheitslücke konnte zwar im Anschluss geschlossen werden. Es folgte jedoch ein folgenschwerer Schritt, indem ein Hard Fork implementiert wurde. Die Blockchain wurde in zwei Einheiten geteilt. Das gestohlene Ethereum war in der neuen Version unbrauchbar. Die Entscheidung zu dem Schritt wurde sehr kontrovers diskutiert. Denn sie entsprach eigentlich nicht dem Sinn und Zweck der Blockchain: nämlich der Unveränderbarkeit. Und so wundert man sich nicht, dass eine Gruppe weiterhin die alte Blockchain nutzte. Heute ist diese erste Version als Ethereum-Classic bekannt. Allerdings spielt das Ethereum-Classic als Währung gar keine Rolle.